Geschichte
Der Berner Patrizier Hieronymus von Erlach, nach 1700 Landvogt zu Aarwangen, bewies ein glückliches Auge, als er die Herrschaft Thunstetten erwarb, um sich auf der aussichtsreichen Anhöhe oberhalb von Langenthal eine Sommerresidenz bauen zu lassen. Auf der selben Hügelwelle wie das Schloss erheben sich die Thunstetter Kirche mit ihrem alten, schönen Turm und das besonders beachtenswerte, durch seine Grösse auffallende Pfarrhaus, die einstige Komturei des Johanniterordens aus dem 13. Jahrhundert. Das Schloss wurde 1713-15 erbaut nach Plänen des berühmten Pariser Architekten Joseph Abeille; Baumeister war Abraham Jenner aus Bern. Die Fachliteratur spricht von einer „genialen Bauidee" und von „vorbildlicher Bauart" des französischen Barocks im Stile Louis XIV. Der patrizische Bauherr, sagenhaft in Reichtum wie Lebensstil, liess an der grosszügigen Anlage samt Park und Gärten an nichts mangeln.

„Entre cour et jardin" liegend, besteht das Schloss aus dem eingeschossigen Hochparterrebau des Herrenhauses, dem „Corps de logis" und zwei südseits anschliessenden, zweigeschossigen Flügeltrakten. Unter dem Hauptgebäude liegen mächtige Gewölbekeller. Der durch Herrenhaus und Flügelbauten gebildete Hof, die „Cour d'entrée", wird von einer bedachten Mauer abgeschlossen, in deren Mitte sich ein überwölbtes Gitterportal öffnet. Grundsatz für Bauten wie Gesamtanlage war völlige Symmetrie - ein Hauch von Versailles auf oberaargauischem Bauerngrund !

Im Jahre 1746 veräusserte Hieronymus von Erlach seine Thunstetter Herrschaft (er baute in der Folge Schloss Hindelbank und schliesslich, als er Schultheiss von Bern war, den Erlacherhof an der Junkerngasse, den heutigen Sitz des


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